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Pressemeldungen – (Alb-)traum Franchise

Publiziert von: Redaktion Topfgucker-TV
Kategorie: Pressemeldungen
Veröffentlicht: 22.05.2015

(PREGAS/D.R.) Die Gastronomie ist ein spannendes Feld. Jeder geht gern essen oder trinken, tanzt bis zum Morgengrauen oder probiert schon mal das ein oder andere Backrezept seiner Oma aus. So schwer kann es doch also nicht sein, sich erfolgreich in der Gastronomie zu betätigen. Das denken viele und nutzen insbesondere das Modell des Franchisings, um einen ersten Step in die Gastrobranche zu wagen.

Doch was für manche die Erfüllung des Lebens darstellt, ist für viele mitunter nach gewisser Zeit ein wahrer Albtraum. Es sagte mal jemand, „die höchste Form der Abhängigkeit ist die Ehe. Die Zweithöchste Form der Abhängigkeit ist es, Franchisenehmer zu sein“. Daher ist es durchaus auch mal angebracht, das Franchisesystem ein wenig zu durchleuchten und die Frage zu beantworten, ob dies wirklich immer zum Traum wird oder man vielleicht doch durch so manche Albträume erfährt.

Ich kann hier natürlich nur auf das Franchising in meiner Branche eingehen. Ein Geschäftsmodell innerhalb der Gastronomie, welches in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum erfahren durfte. Aber gerade auch durch seiner schnellen und oftmals kostenintensiven Wachstumsraten nun an einen gewissen Stagnationspunkt angekommen ist. 

Das Franchisingmodell in Deutschland hat in den vergangenen Monaten sehr gelitten. Die Nummer Zwei, Burger King, hat ein Paradebeispiel mit seinem Franchisenehmer abgegeben, welche Risiken entstehen können, wenn zwei sich zur „Gastro-Ehe“  entschließen. Es wird zwar immer behauptet, dass sowohl der Franchisegeber, wie auch der Franchisenehmer, partnerschaftlich zusammenarbeiten. Aber was vielleicht in den 1980-iger Jahren mit den beiden Burgerriesen wunderbar geklappt hat, ist heute schon lange nicht mehr. Denn der Burger-King-Skandal hat gezeigt, dass Franchisesysteme anfällig geworden sind und trotz hoher Store- und Umsatzzahlen schnell zum Spielball der kritischen Kundschaft werden. Selbst der Marktführer muss mit den Gerüchten kämpfen, dass einiger seiner „Ehepartner“ die Franchisegebühren seit kurzem nicht mehr zahlen können. 

Die Systemgastronomie hat Franchise groß und zu dem gemacht, wie es sein soll, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein: Standardisiert und systematisiert, mit vereinheitlichten Strukturen und Organisationen. Dies ist auch die Attraktivität vieler Quereinsteiger in die Branche, sich mit Branchenriesen einzulassen. Doch sind die Vorstellungen und Anforderungen der Franchisegeber gegenüber deren Nehmern überhaupt noch erzielbar? Der ideale Franchisenehmer soll jung, dynamisch, flexibel, belastbar, stressresistent, kundenorientiert, jahrelange Manangementerfahrungen besitzen, exzellente Mitarbeiterführungen beherrschen, am besten ein BWL-, Jura- und Ingenieurstudium mit sich bringen - und natürlich noch über Unsummen an Kapital verfügen. 

Das klingt im ersten Moment möglicherweise etwas überspitzt, wird aber von fast allen Franchisegebern als gegeben angesehen. Vielleicht überprüfen Sie einmal selbst, ob Sie alle Kriterien erfüllen können? Sicherlich nicht. Somit beginnen auch für die Franchisegeber dann auch zwangsläufig notwendige Abstriche gegenüber den Schützlingen zu machen, was es für beide Seiten kompliziert werden lässt.

Zwar „locken“ einige Systemgeber mit einem Eigenkapitaleinsatz von 15.000 €. Dabei wird aber auch sehr schnell unterschlagen bzw. auch bewusst verschwiegen, dass diese Eigenkapitaldecke eigentlich die “lebenserhaltene“ Reserve für die ersten Monate ist. Auch klingen 5-6% Franchisegebühr zunächst nicht allzu viel. Doch wird es mit einer zusätzlichen Werbepauschale und der Tatsache, dass als Berechnungsgrundlage hierfür der Nettoumsatz herangezogen wird, es zum Monatsende sehr schnell eng für den Lizenznehmer werden kann. Und glauben Sie mir, jeder Franchisenehmer hinterfragt die Gebühren und Werbepauschalen während seiner Lizenznehmerzeit. Insbesondere dann,  wenn er feststellen muss, dass trotz enormer monatlichen Summen keinerlei Werbeunterstützung oder sonstigen Support von seiner Systemzentrale kommen. Wie oft wird der Franchisenehmer alleine gelassen, insbesondere an Wochenenden, wenn alle Mitarbeiter der Zentrale ihr Wochenende genießen und der Nehmer am Verzweifeln ist, weil die vom Konzeptgeber vorgegebene Maschine nicht funktioniert oder der Lieferant Freitagsabends nicht die für die Special-Aktion notwendige Sonderzutat mitgeliefert hat.

Sicherlich können manche Franchisenehmer ein Lied davon singen, wenn man bei 80 Wochenstunden am Monatsende abzüglich aller Gebühren, Lieferantenrechnungen und den Mitarbeiterlöhnen gerade mal auf Mini-Job Niveau gekommen ist. Ich denke nicht, dass sich dessen jeder Franchisenehmer zu Beginn bewusst ist.

Hier müssen die Lizenzgeber mit deutlich offeneren Karten spielen. Auch sollten die Nehmer genau darauf achten, wie weit ihr Franchisegeber sie entsprechend ausbildet. Nicht jeder bringt die zuvor genannten Fähigkeiten mit. Die muss der Geber bei seinem Nehmer entwickeln. Auch sollte der Konzeptgeber regelmäßig den Betrieb des Nehmers überprüfen. Nicht nur ankündigen, sondern auch tatsächlich machen. Letztlich ist es unabdingbar, dass der Franchisenehmer sein Gesamtkonzept zur Verfügung stellt und mit reellen und dem Standort entsprechenden Umsatzzahlen den Frachisennehmer in die Systemfamilie integriert. Die generelle Einsatzbereitschaft des Lizenznehmers, an 7 Tagen die Woche für jeweils 24 Stunden das Franchisesystem zu repräsentieren, verdient auch den nötigen Respekt seitens des Gebers. 

Sollten Sie dennoch den Wunsch haben, in nächster Zeit Franchisenehmer  werden zu wollen, sind diese Checklistenpunkte sicherlich eine kleine Unterstützung, das richtige Konzept für Sie zu finden:

1.    Sind Sie nicht blauäugig und gutgläubig.
2.    Holen Sie sich Informationen über Ihren Partner von Dritten ein.
3.    Hiterfragen Sie sehr intensiv Aussagen des Franchisegebers.
4.    Gehen Sie in schon jetzt existierende Franchisebetriebe und reden Sie offen mit den Mitarbeitern.
5.    Hinterfragen Sie mit Vertrauten das Geschäftsmodell.
6.    Machen Sie Analysen des Wettbewerbs am Standort.
7.    Hinterfragen Sie die Kosten des Systems und prüfen Sie die Wirtschaftlichkeit
8.    Lassen Sie den Franchisevertrag von einem Anwalt Ihres Vertrauens genau prüfen.
9.    Hinterfragen Sie die Zahl der ausgeschiedenen Franchisenehmer.
10.   Schaffen Sie sich eine finazielle Unabhängigkeit gegenüber Ihrem Franchisegeber.
11.   Hinterfragen Sie die Wahl des Standortes.
12.   Suchen Sie sich einen sehr guten Anwalt für Arbeitsrecht und Steuerberater.
13.   Erwarten Sie in den nächsten Monaten und Jahren „Knochenarbeit“.
14.   Denken Sie daran, alleine schaffen Sie das nicht.
15.   Halten Sie sich vom ersten Tag an „Recht und Ordnung“.

Und denken Sie daran, richtiger Standort mit dem passenden Konzept ist noch lange nicht der Schlüssel zum Erfolg. Gute und loyale Mitarbeiter, das nötige Quäntchen Glück und eine ausreichende Kapitaldecke machen den Start und das Überleben in der Franchisewelt deutlich leichter.

Bildrechte: hfox-Fotolia

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