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Pressemeldungen – Kirschessigfliege - Schädling im Obst- und Weinbau

Kirschessigfliege - Schädling im Obst- und Weinbau

Publiziert von: Redaktion Topfgucker-TV
Kategorie: Pressemeldungen
Veröffentlicht: 26.03.2016

Bis vor fünf Jahren war die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) als Schädling in Deutschland noch völlig unbekannt. Erstmals in Erscheinung getreten ist sie hierzulande 2011 an Obstbeständen in Süddeutschland. Von da an ging alles rasend schnell: Innerhalb von drei Jahren konnte sich der invasive Schädling über ganz Deutschland ausbreiten und dabei teils erheblichen Schaden anrichten. 2014 kam es in vielen Gebieten zu hohen Ernteverlusten im Beeren-, Steinobst- und Weinanbau. Im vergangenen Jahr war der befürchtete Schaden aufgrund des sehr heißen und trockenen Sommers wesentlich geringer. Die Prognose für 2016 sind bislang noch unklar: Aufgrund des milden Winters kann grundsätzlich von einer hohen Ausgangspopulation ausgegangen werden. Ob sich tatsächlich ein starker Befall einstellt, hängt jedoch ganz entscheidend von den Witterungsbedingungen während der Sommerzeit ab. Bei feuchter und mäßig warmer Witterung kann es zu einem sehr raschen Populationsaufbau kommen.

Hohes Schadpotenzial

Viele Obst- und Weinbäuerinnen und -bauern sind besorgt. Denn der Schaden, den die Kirschessigfliege anrichten kann, ist immens. Nach Angaben des Julius Kühn-Instituts (JKI) wurden im Jahr 2010 Erdbeeren in Südfrankreich und Himbeeren in Italien zu 80 Prozent geschädigt. In Südtirol kam es im gleichen Jahr an Süßkirschen zu Ertragsausfällen von 90 Prozent. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) berichtet über Totalausfälle an Beerenobst in Italien und an Kirschen in Spanien und Südfrankreich im Jahr 2011. 2014 verursachte die Kirschessigfliege in Deutschland Verluste in Millionenhöhe.

Schnelle Ausbreitung

Kirschessigfliegenmaden auf einer Himbeere. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Larven der Kirschessigfliege (hier sichtbar in geöffneter Himbeere) fressen im Innern der Frucht.
Foto: Jürgen Just / Julius Kühn-Institut

Besorgniserregend ist zudem die extrem schnelle Ausbreitung der Kirschessigfliege. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass dieser Schädling in der Wahl der Wirtspflanze wenig wählerisch ist: Drosphila suzukii befällt die meisten weichschaligen Obstarten und bestimmte Traubensorten, insbesondere Kirschen und Beeren. Unter diesen sind die spät reifenden Arten und Sorten, wegen der starken Populationszunahme während des Sommers, deutlich stärker gefährdet. Bei Weintrauben sind, den bisherigen Erfahrungen nach, die dunklen Sorten mit dünner Haut und kompakter Traubenstruktur besonders anfällig. Darüber hinaus befällt die Kirschessigfliege aber auch wildwachsende, beerentragende Pflanzen. Äpfel und Birnen können nur bei bereits geschädigter Fruchtschale befallen werden.

Förderlich für die schnelle Verbreitung ist auch das enorme Vermehrungspotenzial der Kirschessigfliege. Bei Dauertemperaturen um 25 Grad Celsius dauert ein Generationszyklus nur zehn Tage. In Deutschland geht man von fünf bis acht Generationen pro Jahr aus. Die Fliegen können zwischen drei und neun Wochen leben, sodass es zu starken Überlappungen der verschiedenen Generationen kommen kann.

Überwinterung und Eiablage

Die adulten Tiere der Kirschessigfliege überwintern in geschützten, frostfreien Verstecken und werden bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius wieder aktiv. Bei beginnender Reife der Früchte – erkennbar am Farbumschlag – wandern die Fliegen in die Kulturen ein und beginnen mit der Eiablage. Die Weibchen von Drosophila suzukii besitzen einen kräftigen, gezahnten Legeapparat, mit dem sie gesunde Früchte anstechen und mit Eiern belegen können. Ein Drosophila suzukii-Weibchen kann 300 bis 600 Eier legen, meist mehrere Eier pro Frucht.

Schaden entsteht vor allem durch die Larven

Die Larven verbringen in der Regel alle Entwicklungsstadien innerhalb der Frucht (Ausnahme: Verpuppung auch außerhalb der Frucht möglich) und ernähren sich während dieser Zeit vom Fruchtfleisch. Befallene Früchte werden dadurch schnell weich und matschig. Durch die beim Anstechen der Frucht entstehenden Löcher kann es zudem zu Sekundärinfektionen kommen.

Kirschessigfliege: Erkennen und bestimmen

Kirschessigfliegenmännchen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kirschessigfliege Drosophila suzukii (Lebendaufnahme). Männchen erkennt man gut an den dunklen Flecken auf den Flügeln. Foto: Jürgen Just / Julius Kühn-Institut

Die aus Südostasien stammende Kirschessigfliege gehört zur Familie der Obst- und Essigfliegen (Drosophilidae). Die adulten Fliegen sind zwei bis drei Millimeter lang, haben rote Augen und einen braun-gelblichen Körper. Damit ähneln sie stark den in Europa heimischem Essigfliegen (vor allem Drosophila melanogaster), die ihre Eier jedoch nur in überreife, faulende Früchte ablegen können. Das Drosophila suzukii-Weibchen besitzt einen scharf gezähnten Legeapparat, mit dem sie die Fruchtschale anritzt, um ihre Eier in der Frucht abzulegen. Die Männchen von Drosophila suzukii unterscheiden sich von heimischen Arten durch den dunklen Fleck auf den Flügelenden.

Was hilft gegen die Kirschessigfliege?

Kirschessigfliegenfalle. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine Flüssigköderfalle ist wichtig für das Monitoring. Sie kann kostengünstig selbst gebaut werden. Foto: Jürgen Just / Julius Kühn-Institut

Gleich vorweg: Die eine, optimale Lösung zur Regulierung der Kirschessigfliege gibt es nicht. Wie so oft, kann nur ein Bündel verschiedener Maßnahmen zum Erfolg führen.

Um das Auftreten der Kirschessigfliege rechtzeitig erkennen und frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können, ist ein Monitoring in den gefährdeten Obstkulturen unerlässlich. Hierfür haben sich Flüssigköderfallen bewährt, die man entweder selbst bauen oder zukaufen kann. Die Fallen sollten in gefährdeten Kulturen rechtzeitig vor Reifebeginn – am besten bei Farbumschlag der Früchte – aufgehängt und von da ab wöchentlich kontrolliert werden. Das JKI hat eine Anleitung zum Bau und zur Verwendung einer solchen Falle ins Netz gestellt.

Einfache Standardfalle zum Monitoring von Drosphila suzukii

Die Wirkung der unspezifischen Flüssigköderlösung lässt mit zunehmender Reife der Früchte ab. Ergänzend zu den Flüssigköderfallen sollten Früchte daher immer auch regelmäßig auf Larvenbefall untersucht werden. Geeignete Methoden beschreibt das FiBL in seinem Merkblatt.

Den Befall durch das Aufhängen sehr vieler Köderfallen ausreichend zu mindern, ist – wenn überhaupt – nur in sehr begrenztem Maß und zu Beginn des Befallsanstiegs möglich, berichtet das JKI. Zahlreiche Versuche, diese auch als "Massenfang" bezeichnete Methode erfolgreich anzuwenden, sind gescheitert. Flächengröße, Befallsdruck und das Fehlen hochattraktiver Lockstoffe spielten hierbei eine Rolle.

Kulturschutznetze: sehr sicher, aber teuer

Das Abnetzen der Kulturen mit engmaschigen Netzen (Maschenweiten von maximal 0,8 Millimeter) ist die wohl sicherste Methode, die Fliegen von den Früchten fernzuhalten. Die Kosten für die Netze sind jedoch beträchtlich, sodass jeder Betrieb durchkalkulieren muss, ob sich eine Anschaffung für die betreffende Kultur und Fläche lohnt. Ein weiterer Nachteil neben den Kosten ist, dass die Erntearbeit durch die Netze erschwert wird.

Wichtig ist, dass die Netze nach dem Betreten der Kultur sofort wieder verschlossen und regelmäßig auf Risse und Löcher untersucht werden. Zudem wird empfohlen, auch innerhalb der eingenetzen Kulturen Köderfallen aufzuhängen und regelmäßig zu beproben.

Oberstes Gebot: Hygiene und Bestandspflege

Die bisherigen Erfahrungen im ökologischen Obst- und Weinanbau haben gezeigt, dass der Befallsdruck durch konsequente Hygiene und Bestandspflege erfolgreich reduziert werden kann:

  • Trockenheit verträgt die Kirschessigfliege sehr schlecht. Sehr wirksam sind daher alle Maßnahmen, die auf ein trockenes Bestandsklima abzielen, wie häufiges Mulchen von Unterwuchs, Anpassung der Bewässerungsintensität oder Schnittmaßnahmen zur Durchlüftung.
  • Reife Beeren und Kirschen möglichst frühzeitig, zügig und vollständig abernten, damit keine überreifen Früchte als Vermehrungsort in der Anlage verbleiben.
  • Heidelbeeren und Himbeeren häufig durchernten.
  • Nicht verwertbare oder überreife Früchte aus der Anlage entfernen und vernichten (Kompostieren reicht nicht aus! Sicherste Methode ist die Solarisation: Befallene Früchte werden 10 bis 15 Tage in einem Plastikbeutel in die Sonne gelegt, anschließend können Früchte kompostiert werden).
  • Am Boden liegende Weintrauben nach Behangregulierung mulchen; frischen Trester nicht in ungelesene Rebparzellen ausbringen.

Pflanzenschutzmittel nicht zu empfehlen

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, auch wenn sie für den Ökolandbau zugelassen sind, wird nicht empfohlen. Nach Angaben des FiBL gibt es derzeit noch wenig gesicherte Erkenntnisse über die Wirkung dieser Mittel im ökologischen Obst- und Weinbau. Hinzu kommt die Rückstandsproblematik: Aufgrund des späten Befalls müssen die Mittel kurz vor der Ernte ausgebracht werden, wodurch es zu Problemen in der Einhaltung der erforderlichen Wartezeiten kommen kann. Außerdem ist bei Drosophila suzukii aufgrund der hohen Generationen- und Nachkommenzahl sehr schnell mit einer Resistenzbildung zu rechnen. Die derzeit zugelassenen Pflanzenschutzmittel werden darüber hinaus als bienengefährlich eingestuft.

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